Waldorf darf Fussball!
Frankfurt am Main, 24.06.2010 (Medienstelle Anthroposophie) -- Nachdem das Bangen um den Einzug der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Achtelfinale der WM gerade noch ein gutes Ende genommen hat, stehen Deutschland weitere Tage im allgemeinen „Public Viewing“- und Vuvuzela-Taumel bevor. Gute Nachricht: Auch Waldorfschüler können unbeschwert mitfiebern!
Es gibt sehr hartnäckige Gerüchte über das angebliche Fußballverbot an Waldorfschulen. Erst kürzlich publizierte der Spiegel eine neue, verblüffende Variante: „Waldorfschüler dürfen kein Fußball spielen. Zu erdnah, der Fuß.“ Diese Spekulation reiht sich nahtlos ein in bisher bekannte, keineswegs überzeugendere Argumente aus dem anthroposophischen Umfeld, wie etwa dasjenige, der Ball als „Symbol der Erde“ dürfe nicht mit Füßen getreten werden.
Der Autor Christian Grauer, selbst früherer Waldorfschüler und Nicht-Fußballspieler, hat recherchiert und stellt in einem bei info3 veröffentlichten Artikel fest: Das Fußballverbot an Waldorfschulen, so es noch besteht, kann mit vielem begründet werden – nur nicht mit Rudolf Steiner. „Fußball ist die populärste Sportart. Ich fürchte, das allein genügt an vielen Waldorfschulen schon für einen Bannfluch,“ vermutet Grauer. „Denn was populär ist, was die Mehrheit macht, was Mode ist, das ist hier von vornherein verdächtig.“
Grauer hat die Gesamtausgabe des Steiner'schen Werkes zu Rate gezogen und festgestellt, dass es dort keinerlei handfeste Aussagen zum Thema Fußball gibt, nur einige Passagen, in denen Steiners grundsätzliches Unbehagen dem Sport gegenüber zum Ausdruck komme: „Es handelt sich beim waldörflichen Fußballverbot also um nichts anderes als einen schieren Mythos. Ebensogut könnte man unter Berufung auf Steiners Menschenkunde das Bockspringen, den Stufenbarren oder Völkerball verbieten. Allerdings würde man damit manchem Schüler wenigstens eine Freude bereiten.“
Tatsächlich nehmen wohl die meisten Waldorfschulen heute eine gelassenere Haltung zum Thema Fußball ein. Ein origineller Blog-Eintrag auf der Website der Rudolf Steiner Schule in Siegen etwa kommentiert den „Sonderblock im Fach Sport als theoretisches Angebot für die Klassen 7 – 13“, in dem die Schüler gemeinsam das Spiel Deutschland gegen Serbien anschauten: „Wie man dem Bild entnehmen kann, fing unsere Mannschaft mit dem Versuch an, einen eurythmischen Kreis zu bilden, was unsere Schüler aber schon in der Unterstufe deutlich besser beherrschen.“
Artikel „Waldorf darf Fußball“ von Christian Grauer bei info3
Blogeintrag der Rudolf Steiner Schule Siegen
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