Die Steiner-Biographien seit 1925 bis 2011

Übersicht und Bibliographie

Steiner-Biographien_02_klein.jpgWeil Steiner in seinem 45 Bände umfassenden schriftlichen Nachlass (mit Ausnahme der Briefe) und nahezu 300 Bänden Vortragsnachschriften – alles dokumentiert in der Rudolf Steiner Gesamtausgabe – kaum persönlich-biographische Fragen anspricht, ist die einzige umfassende Quelle seine Autobiographie Mein Lebensgang. Diese erschien zunächst als Artikelfolge in der Wochenschrift Das Goetheanum und wurde erstmals 1925, also noch im Todesjahr Steiners, von Marie Steiner in Buchform herausgegeben. Allzu persönliche Details sucht man dennoch vergeblich im Lebensgang, weil Steiner, für damalige Verhältnisse durchaus üblich, eher distanziert über sein eigenes Leben schreibt. Zudem ist die Artikelreihe unvollendet geblieben: Sie bricht mit einem Kapitel über den Münchener Theosophenkongress 1907 ab. Die Autobiographie erfuhr etliche Neuauflagen und Nachdrucke (schon 1939 bei Emil Weise, Dresden), erschien als Fischer-Taschenbuch 1985 und wurde allein in der Taschenbuchausgabe des Rudolf Steiner Verlages über 60.000-mal verkauft. 2011 erscheint dort erstmals eine illustrierte Sonderausgabe.

Die Autobiographie wird ergänzt von schier unendlichen Berichten von Zeitzeugen, oft sehr persönlich gehaltenen Erinnerungen von Schülern und Bewunderern Steiners, die naturgemäß oft mehr über den Autor als über dessen Objekt aussagen. Wir haben an dieser Stelle eine umfassende, aber nicht vollständige Auflistung dieser Erinnerungsliteratur zusammengetragen. Neben dem Bild der Anhängerschaft, das durch einen Titel wie Erinnerungen an den großen Lehrer Dr. Rudolf Steiner (von Ludwig Graf Polzer-Hoditz) bestens zum Ausdruck kommt, liefern die vielen Zeitzeugen in der Summe eine gewaltige Fülle von Details, die, mit der nötigen historischen Distanz betrachtet, den Lebensgang um etliche menschliche und sachliche Informationen vervollständigt. Eine umfangreiche Sammlung von Einzelbeiträgen findet sich in dem von Erika Beltle und Kurt Vierl herausgegebenen Band Erinnerungen an Rudolf Steiner. Gesammelte Beiträge aus den „Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland“ (Stuttgart 2001).

Zu den persönlichen Erinnerungen kommen noch Studien hinzu, die sich auf eng eingegrenzte Aspekte der Steinerschen Biographie beschränken. Das können geographische Besonderheiten sein, wie etwa bei Rudolf Steiner in Weimar, sie können zeitliche Lebensabschnitte umfassen (Unbekanntes aus seinen Jugendjahren) oder Fach- bzw. Sachthemen gewidmet sein (Rudolf Steiner in der Waldorfschule).

Steiner-Biographien_03_klein.jpgEine besondere Variante dieser Spezialstudien sind Veröffentlichungen von mit der Anthroposophie verbundenen Autoren, die recht unterschiedliche Aspekte aus Steiners Biographie unter jeweils besonderen Gesichtspunkten herausgearbeitet haben, wie zum Beispiel das erst 2004 erschienene Werk von Klaus Hartmann Innere Motive im Lebenswerk Rudolf Steiners.

Die ersten umfassenden Biographien erschienen ausschließlich in den anthroposophischen Verlagen – und waren vom Duktus her wohl auch nur für eine anthroposophisch orientierte Leserschaft geeignet. Genannt seien hier Autoren wie Guenther Wachsmuth (1951), Emil Bock (1961), Willem Zeylmans van Emmichoven (1961), Rudolf Meyer (1975) und andere. Diese Art der biographischen Dokumentation fand einen gewissen Abschluss mit der Veröffentlichung von drei umfassenden Bildbänden zu Rudolf Steiners Lebensgang, 1971 bis 1980 im Novalis Verlag erschienen, die sich noch stark an der Autobiographie orientierten. Die Reihe wurde 1987 durch einen vierten Band für den Zeitraum 1917 bis 1925 im Verlag am Goetheanum ergänzt. (Eine längst fällige umfassende, moderne und spätere Archivfunde berücksichtigende neue Bildmonographie durch Walter Kugler ist in Arbeit, liegt aber noch nicht vor.)

1963 nahm der Rowohlt Verlag eine Steiner-Biographie von Johannes Hemleben in die Reihe der rororo-Bildmonographien auf. Von dem Bändchen wurden mehrere hunderttausend Exemplare verkauft. Diese Biographie wurde von Rowohlt 1992 durch eine modernere Textfassung von Christoph Lindenberg ersetzt (inzwischen auch bereits in der 12. Auflage). Ebenfalls außerhalb der spezifisch anthroposophischen Publizistik veröffentlichte DuMont 1978 Walter Kuglers Buch Rudolf Steiner und die Anthroposophie, das 2010 neu aufgelegt wurde.

Neuere Veröffentlichungen

Als „die“ große Steiner-Biographie gilt heute das zweibänSteiner-Biographien_01_klein.jpgdige Werk von Christoph Lindenberg Rudolf Steiner. Eine Biographie (Verlag Freies Geistesleben 1997), welches in der anthroposophischen Bewegung und in der Öffentlichkeit eine beachtliche Aufmerksamkeit erregte. Die 1025 Seiten umfassende Biographie wurde im Steiner-Jahr 2011 als Taschenbuch neu aufgelegt. Der Erstveröffentlichung vorangegangen war 1988 eine akribisch zusammengestellte Chronik vom selben Autor, in der Steiners Leben soweit möglich von Tag zu Tag nachgezeichnet wurde.

Weitere umfassende Biographien, erstmals von Autoren, die sich selbst nicht der Anthroposophie verpflichtet fühlen, erschienen 2008 von Gary Lachman im Info3-Verlag, sowie 2010-2011 von Heiner Ullrich (bei C.H. Beck), Helmut Zander (bei Piper) und Miriam Gebhardt (bei DVA). Damit ist Steiner im 150. Geburtsjahr 2011 bei den großen Publikumsverlagen „angekommen“.

Autor: Ramon Brüll

Diese Bibliographie wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung der Rudolf Steiner Bibliothek in Stuttgart www.rudolf-steiner-bibliothek.de, Tel. 0711-164 31 12 sowie der Verlage

© Medienstelle Anthroposophie im Info3-Verlag, Februar 2011

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Drei aktuelle Steiner-Biographien. Im Hintergrund ältere biographische Studien, meist von in der Anthroposophie verwurzelten Autoren.

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Steiners Autobiographie „Mein Lebensgang“ – Erstauflage 1925 (links) sowie neuere Editionen in der Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Zahlreiche Nachdrucke, darunter ein Band aus dem Verlag Emil Weise, Dresden 1939 und in dem Fischer Taschenbuchverlag.

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Schier unendlich ist die Erinnerungsliteratur von Mitarbeitern und Bewunderer Rudolf Steiners, sowie Spezialstudien über Teilaspekte der Steinerschen Biographie. Im Bild ein kleiner Ausschnitt der umfangreichen Literatur.

Aufnahmen Frank Schubert / © Medienstelle Anthroposophie 2011